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So unterstützen Eltern und Lehrpersonen gemeinsam die Entwicklung von Kindern

Zusammenarbeit im Musikunterricht

Liebe Eltern, liebe Lehrpersonen

Wenn Kinder ein Instrument lernen, passiert viel mehr als „nur Musik“. Sie entwickeln Selbstvertrauen, Konzentration und Durchhaltevermögen. Doch damit dieser Weg gelingt, braucht es mehr als guten Unterricht oder fleissiges Üben: Es braucht eine starke Zusammenarbeit zwischen den Erziehungsberechtigten und der Lehrperson.
Doch was sind eigentlich die Aufgaben der Eltern zu Hause? Und wofür ist die Lehrperson verantwortlich?

Genau darum geht es in diesem Beitrag.

29. März 2026

Warum die Zusammenarbeit so entscheidend ist


Gerade bei jüngeren Kindern sind die Eltern die wichtigsten Bezugspersonen. Sie schaffen den Rahmen, in dem Lernen überhaupt möglich wird. Studien zeigen, dass Eltern in den ersten Lebensjahren den grössten Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes haben, auch im musikalischen Bereich. Wie viel Musik zu Hause gehört wird, gemeinsames Singen oder Konzertbesuche prägen diese Erfahrungen entscheidend.


Wenn ein Kind ein Instrument wählt und mit dem Unterricht beginnt, tritt die Lehrperson als weitere wichtige Bezugsperson hinzu. Sie bringt das Fachwissen über das Instrument sowie pädagogische Erfahrung mit.
Eltern und Lehrpersonen haben unterschiedliche Einflussmöglichkeiten auf die Lernentwicklung. Für sich allein können beide das Kind nur begrenzt unterstützen. Gemeinsam jedoch entsteht ein stabiles Fundament.

Die wichtigste Grundlage: Beziehung statt Perfektion


Ein häufiger Irrtum ist, dass Kinder möglichst schnell selbständig werden sollen. Das ist zwar ein langfristiges Ziel, auch im Instrumentalspiel. Doch echte Selbständigkeit entsteht nicht durch „alleine lassen“, sondern durch Sicherheit.


Kinder werden dann mutiger, Dinge selbst auszuprobieren, wenn sie spüren: Ich bin nicht allein. Jemand ist da, wenn ich Unterstützung brauche.


Das bedeutet konkret:
• Eltern dürfen beim Üben präsent sein, ohne einzugreifen
• Kinder werden ermutigt, Dinge selbst auszuprobieren
• Fehler dürfen passieren und sind ein wichtiger Teil des Lernens


Kinder, die Angst vor Fehlern haben, neigen oft zu Perfektionismus und genau das kann sie blockieren.

 

Deine Rolle als Mutter oder Vater


Du musst kein Instrument spielen können, um dein Kind gut zu unterstützen.

Die wichtigsten Aufgaben sind:

Interesse zeigen

Dein Kind merkt sofort, ob dir sein Lernen wichtig ist.
Schon kleine Fragen wie „Magst du mir dein Stück vorspielen?“ machen einen grossen Unterschied.

Struktur ermöglichen

Kinder brauchen klare Rahmenbedingungen:
• feste Übezeiten
• eine ruhige Umgebung
• kleine, machbare Einheiten
Du gibst den Rahmen, den dein Kind ausfüllt.

Ermutigen statt bewerten

Statt zu sagen „Das war noch nicht richtig“, hilft:
• „Das klingt schon viel sicherer als letzte Woche“
• „Ich sehe, dass du dich angestrengt hast“
So entsteht Motivation von innen heraus.

In Verbindung bleiben

Gerade jüngere Kinder brauchen Begleitung:
• dabei sein, ohne zu kontrollieren
• zuhören, ohne zu korrigieren
• unterstützen, ohne Druck aufzubauen

 

Die Rolle der Lehrperson


Auch die Lehrperson trägt eine zentrale Verantwortung für eine gelingende Zusammenarbeit.

Transparenz schaffen

Eltern wollen wissen:
• Wer unterrichtet mein Kind?
• Was ist dir als Lehrperson wichtig?
• Wie läuft der Unterricht ab?

Wenn sich die Lehrperson auch persönlich zeigt, entsteht Vertrauen.

Eltern als Partner einbeziehen

Gute Zusammenarbeit bedeutet:
• Erwartungen klar zu kommunizieren
• konkrete Tipps fürs Üben zu geben
• Eltern aktiv einzubeziehen

Nicht: „Die Eltern sollen einfach machen“
Sondern: „So kannst du dein Kind konkret unterstützen“

Beziehung zum Kind aufbauen

Ein Kind lernt am besten, wenn es sich gesehen fühlt.
Dazu gehört auch, sein Umfeld zu kennen:
• Familie
• Interessen
• Stärken und Unsicherheiten

Gespräche bewusst gestalten

Gute Elterngespräche sind:
• wertschätzend
• ehrlich
• lösungsorientiert

Wichtig ist vor allem zuzuhören.

Typische Herausforderungen und wie sie gemeinsam gelöst werden

„Mein Kind übt nicht gerne“

• gemeinsam kleine, erreichbare Ziele setzen
• Übeeinheiten kurz und regelmässig gestalten
• Übeziele klar und verständlich formulieren
• dem Kind Mitbestimmung ermöglichen
• Motivation über Freude statt Druck fördern

„Ich weiss nicht, wie ich helfen kann“

• die Lehrperson um konkrete Tipps bitten
• die Rolle als Zuhörerin oder Zuhörer einnehmen
• Fortschritte bewusst sichtbar machen

„Die Kommunikation ist schwierig“

• feste Austauschmöglichkeiten schaffen
• Fragen frühzeitig ansprechen
• offen und respektvoll bleiben

Erziehungspartnerschaft statt „Elternarbeit“

Vielleicht kennst du den Gedanken:
„Die Lehrperson unterrichtet und ich kümmere mich zu Hause.“

Doch eine gelingende Zusammenarbeit geht darüber hinaus. Man spricht heute von Erziehungspartnerschaft:
• Eltern und Lehrperson begegnen sich auf Augenhöhe
• beide bringen unterschiedliche Kompetenzen ein
• sie verfolgen ein gemeinsames Ziel: das Kind bestmöglich zu begleiten

Das bedeutet auch:
Man muss nicht immer gleicher Meinung sein. Entscheidend ist, im Gespräch zu bleiben.

Was Kinder am meisten brauchen

Am Ende geht es nicht um perfekte Zusammenarbeit.

Sondern darum, dass Kinder spüren:
• Ich werde unterstützt
• Ich darf Fehler machen
• Ich werde ernst genommen
• Die Erwachsenen in meinem Leben ziehen an einem Strang
Das ist die Grundlage für echtes Lernen und für Freude an der Musik.

Kleine Schritte, grosse Wirkung

Eine gute Zusammenarbeit entsteht nicht von heute auf morgen.
Doch schon kleine Veränderungen machen einen grossen Unterschied:
Offene Gespräche führen, Erwartungen klar benennen und echtes Interesse zeigen. All das hilft, das Kind auf seinem Lernweg bestmöglich zu begleiten. Am Ende ist es genau dieses Zusammenspiel, das Kinden den Halt gibt und ihnen ermöglicht, mit Freude und Mut ihren ganz eigenen Weg in der Musik zu gehen.

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